Wandel in der Bankenwelt

Anforderungen an Banken steigen – Bündelung der Kräfte schafft Mehrwerte

Bückeburg, 15. Juli 2015

Gerade in der Weltfinanzkrise haben sich die Volksbanken und Raiffeisenbanken - ebenso wie die Sparkassen - als echter Stabilitätsanker erwiesen. Insgesamt ist es den Genossenschaftsbanken wiederholt gelungen, sich den Herausforderungen des intensiven Wettbewerbs zu stellen und die Qualität ihrer Ertragslage zu beweisen. Natürlich wird die Zinsentwicklung 2015 und in den Folgejahren nicht ohne negative Auswirkungen auf die Zinsspanne aller deutschen Kreditinstitute bleiben. Die Niedrigzinsen lassen die Erträge schwinden, denn die sogenannte Zinsspanne (Differenz zwischen Einlagen und Ausleihungen) schrumpft. Die Folge: Die Banken stehen zunehmend unter massivem Kostendruck. Für die Volks- und Raiffeisenbanken bedeutet das, ihr Geschäftsmodell zu überprüfen und an die geänderten Rahmenbedingungen anzupassen. Die Beratungsangebote sind auf die geänderten Kundenbedürfnisse auszurichten. Hierzu gehören unter anderem die Überprüfung der Filialstruktur sowie der technischen Unterstützung. Ein wesentliches Augenmerk ist zudem auf die Entwicklung der Kosten zu richten. Steigende regulatorischer Anforderungen durch den Gesetzgeber ziehen einen immer größeren (Personal-)Aufwand nach sich, der gerade für kleinere Banken kaum noch zu bewältigen ist.

 

Anforderungen an Banken steigen

Unter der Last der Regulierungsumsetzung leiden mittelständisch organisierte Institute besonders. Die Bankenunion war die weitreichendste Integration der Europäischen Union seit der Einführung des Euro. Ihre Umsetzung ist nicht unbedingt ein Quell der Freude für die gesamte Bankenbranche. Der Datenhunger der Aufseher, vor allem der EZB, führt zu enormen Meldeanforderungen. Dies betrifft alle Institute unabhängig davon, ob die EZB oder die nationalen Aufsichtsbehörden, wie z.B. die BaFin, die Aufsicht inne haben – und somit müssen auch die Volks- und Raiffeisenbanken diese Anforderungen erfüllen. Ein Beispiel ist die Erweiterung der Meldepflichten im Kreditwesen. Ab 2017 wird jeder Kredit an Firmenkunden und für private Wohnungsbaufinanzierungen ab einem Engagement von 25.000 Euro meldepflichtig sein. Zu jedem Kredit sind 152 Attribute an die EZB zu übermitteln. Das bedeutet für einzelne Institute der genossenschaftlichen FinanzGruppe, dass nahezu jeder Kredit im Bestand der Bank zu melden sein wird.

 

Zu hohe Komplexität regulatorischer Anforderungen gefährdet Finanzmarktstabilität

Sehr belastend ist auch die Geschwindigkeit, Fülle und zunehmende Komplexität der regulatorischen Anforderungen. Die Komplexität ergibt sich dabei nicht nur aus der Vielzahl, sondern vor allem durch eine oft überlappende Vielschichtigkeit der regulatorischen Initiativen, bei deren Erlass mögliche Wechselwirkungen oft nicht ausreichend berücksichtigt werden. Dazu zählt eben die erhebliche Ausweitung der Melde- und Berichtserfordernisse. Beispielhaft zu nennen sind hier: MiFid 2 (Richtlinie über Märkte für Finanzinstrumente) (Verstärkung der Dokumentationspflicht im Anlagebereich), erhöhte

Mindestanforderungen im Bereich Informationstechnik (IT), neue Richtlinien für die Immobilienberatung und die künftig erforderliche Aufzeichnung von Telefongesprächen.

Die immensen Kosten, die durch immer neue Maßnahmen und die bestehende heterogene Regulierungslandschaft verursacht werden, belasten die Banken. Die SEPA-Einführung kostete die Banken eine beträchtliche Summe. Die aufsichtsrechtlichen Anforderungen an die Eigenkapitalbildung verschärfen sich zunehmend und stellen die Kreditinstitute vor neue Herausforderungen. Hinzu kommen Kosten für den Abwicklungsfonds systemrelevanter Bankinstitute – hier muss die Volksbank in Schaumburg als nichtsystemrelevante Bank beispielsweise rd. 210.000 Euro einzahlen, um systemrelevante Banken abzusichern. Ferner verlangte der Gesetzgeber die Installation eines zusätzlichen Einlagenschutzes obwohl die Genossenschaftsbanken über das sicherste Einlagensystem Deutschlands verfügen. Auch im technischen Bereich muss das örtliche Bankinstitut genauso wie alle anderen Kreditinstitute permanent aufrüsten, um auf dem neuesten Stand zu sein und seinen Kunden maximale Sicherheit zu garantieren.

Zusätzlich werden die Banken in ihrer Möglichkeit, Erträge zu generieren, gedeckelt. Bearbeitungs- sowie Kontoführungsgebühren für Darlehenskonten dürfen nicht mehr erhoben werden. Die Gebühren an Geldautomaten für Fremdabbucher wurden aufgrund der Auflagen des Kartellamts reduziert und mit BASEL III werden Banken gezwungen, niedrig verzinsliche Staatsanleihen vermehrt in das bankeigene Depot als Liquiditätsreserve aufzunehmen (verdeckte Staatsfinanzierung).

 

Bündelung der Kräfte schafft Mehrwerte

Der Volksbank in Schaumburg geht es gut. Sie investiert vor Ort in Gebäude und in die notwendige technische Infrastruktur, aktuell in die Geschäftsstellen in Bückeburg und in Bad Nenndorf. Die regulatorischen Auflagen kann sie jederzeit gut erfüllen.

Viele andere Banken sind nicht so gut aufgestellt und haben Handlungszwang. So kann es erforderlich sein, dass Banken ihre Kräfte bündeln, um den heutigen Anforderungen an eine moderne, starke Bank standhalten zu können. Kooperationen und Fusionen sind dabei sicherlich in Erwägung zu ziehen. Sie können die Banken wirtschaftlicher, wettbewerbsfähiger und schlagkräftiger machen. Strategische Allianzen bieten die Möglichkeit, allein aufgrund der damit erlangten Größe, den regulatorischen Anforderungen leichter standhalten zu können.

Größere Banken können ihre Beratungskompetenz noch weiter ausbauen und das Leistungsspektrum noch gezielter an die individuellen Bedürfnisse ihrer Kunden anpassen und sich spezialisieren. Davon profitieren Firmen- und Privatkunden gleichermaßen. Auch für die Mitarbeiter verbessern sich in der Regel die beruflichen Entwicklungsmöglichkeiten und die Chancen zum beruflichen Aufstieg. Größere Banken ermöglichen die Schaffung neuer, interessanter Berufsfelder, Nischenspezialisierungen und den Aufbau eines breiten Know-Hows, das den Kunden zugute kommt. Das erhöht insgesamt die Attraktivität als Ausbildungsbetrieb und Arbeitgeber.